29. Magischer Beistand
Währenddessen waren Arthur und sein Gefolge auf dem Rückweg nach Camelot. Sie schwiegen weitestgehend, da jeder seinen eigenen Gedanken nachhing; Arthur konnte es immer noch nicht wirklich nachvollziehen, was Merlin getan hatte, und die Worte der Sphinx hatten ihm jetzt auch nicht wirklich geholfen, es zu verstehen.
Dennoch wusste er, dass er sich jetzt und hier in erster Linie um Camelot kümmern musste. Er konnte nur hoffen, dass sie noch nicht zu spät waren. Was war, wenn Morgana sein Land schon überfallen hatte? Aber so hatten sich die Worte der Sphinx nicht angehört. Es klang schon so, als ob sie noch eine Chance hatten - mit oder ohne Merlin. Was hatte sie gesagt? Dass es noch genügend andere Zauberer / Magier in Camelot und den umgebenden Ländern gab, und dass sie sich dringend deren Hilfe zukommen lassen sollten.
Doch wie sollte er diese finden? Dazu wäre auch wieder Merlin am besten geeignet, er hätte bestimmt im Gepür gehabt, wo sich welche aufhielten. Wieder spürte Arthur Groll in sich. Merlin hatte sie im Stich gelassen; jetzt, wo sie ihn am meisten brauchten! Und wofür? Für eine wahnsinnige Idee, von der er nicht einmal wissen konnte, ob sie überhaupt funktionierte?! Eine Tote wieder zum Leben zu erwecken, auch, wenn es Leeana war... Arthur fröstelte es. Er musste sich eingestehen, dass er nicht wusste, ob er sich überhaupt wünschen würde, dass es Merlin gelang, dies durchzuziehen. Wollte er Leeana wirklich zurück? Doch auch diese Gedankenk musste er zurück halten. Jetzt war, verdammt noch mal, nicht der richtige Zeitpunkt dafür! Er blickte sich um. Sie waren noch einige Meilen von Camelt entfernt, und seine Sorge um sein Land und sein Volk wurde immer größer. Auch, um die verbliebenen Ritter, die dort die Stellung hielten. Wenn Morgana wirklich schon da war, hatten sie, ohne ihn - und vor allem Merlin! - keine Chance.
Die Sorge schien ihm ins Gesicht geschrieben zu sein, denn Sir Lancelot fragte: "ist alles in Ordnung mit Euch, Sire?" Arthur blickte ihn an. Nach einigen Sekunden schüttelte er den Kopf: "Nein, ich weiß nicht, ob Morgana schon in Camelot ist. Wenn ja, finden wir vermutlich ein bereits zerstörtes Land vor, und ich weiß nicht, wie wir sie bekämpfen sollen..." Er hielt inne. Demotivierende Worte waren jetzt vermutlich das falscheste, was er sagen konnte.
Elle blickte ihn an. Sie war genauso besorgt wie Arthur und die Ritter, und sie konnte ihren König verstehen. Zudem konnte sie sich auch denken, was in ihm vorging, bezüglich Merlins Taten. Und doch hatte sie irgendwie ein Gefühl in sich, das ihr sagte, dass es einen Sinn haben musste, was Merlin gerade tat - auch, wenn niemand, sie eingeschlossen, es wirklich verstand. Aber auch sie erinnerte sich an die Worte der Sphinx, und sie hatte auch so etwas ähnliches gesagt: nichts geschah ohne Grund!
Dann erinnerte sich Elle auch noch an etwas anderes. Sie blickte zu Arthur und sprach ihn an: "Sire, Erinnert Ihr Euch daran, was die Sphinx uns gesagt hat? Dass es noch andere Zauberer und Magier in und um Camelot herum geben soll, und wir sie finden und zusammen führen sollen?" Arthur blickte sie an und antwortete: "Ja, daran erinnere ich mich - aber der einzige, der diese Magier, oder Zauberer, finden kann, hat uns im Stich gelassen!" Da war er wieder, der leicht wütende Unterton, der Elle - und auch den Rittern - gar nicht gefiel.
Elle schluckte. "Sire, bitte. Auch dazu sagte die Sphinx etwas. Ich weiß auch nicht, ob Merlins Tat etwas bewirkt, und zu was es gut sein soll - aber es war sicherlich nicht seine Absicht, Euch im Stich zu lassen! Ihr kennt Merlin doch..." Arthur schwieg. Elle seufzte leise, dann fuhr sie fort: "Ich wollte sagen, dass auch ich über magische Fähigkeiten verfüge, wie Ihr ja wisst, und ich wäre auch dazu in der Lage, andere Zauberer aufzuspüren. Zumal die meisten von ihnen, in der näheren Umgebung Camelots zumindest, auf der Weißen Seite der Magie stehen. Je nachdem, was diese für Kräfte haben, kann auch ich sie aufspüren, und zu Euch nach Camelot bringen. Wenn Ihr mich alleine weiter ziehen lasst, und Ihr mit Euren Rittern nach Camelot weiter reitet. Ich würde dann später folgen, wenn ich zumindest einige der Zauberer zusammen gebracht habe. Ich würde Euch nur darum bitten, Jade mit Euch zu nehmen. Es wäre mir lieber, sie wäre in Eurer Obhut. So lange, bis ich wieder bei Euch bin..."
Weiter kam sie nicht, bevor Arthur etwas sagen konnte, protestierte Jade: "Nein! Ich lasse dich nicht alleine ziehen, Elle! Es ist zu gefährlich. Bitte! Nimm mich mit!" Elle wollte ihrerseits protestieren, als Arthur eingriff: "Elle, die Idee ist nicht schlecht. Ich dachte nicht daran, dass auch du diese Fähigkeit haben könntest, andere Magier zu entdecken, da ich dich "nur" als Hüterin der Elemente, und nicht als Magierin gesehen habe. Aber gut, wenn du sagst, dass du andere Zauberer ebenfalls erkennen kannst, dann wäre dies natürlich extrem von Vorteil für uns. Allerdings werde ich es sicherlich nicht zulassen, dass du alleine weiter reitest." Er blickte Elle scharf an. "Ein unvorhergesehenes Ereignis reicht mir. Ich will nicht noch jemanden aus meinem Gefolge verlieren."
Er blickte sich um. Sie waren zu sechst. Er, Sir Lancelot, Sir Leon, Sir Gwain, Elle und Jade. Dass er auf direktem Wege nach Camelot zurück musste, und dies so schnell wie möglich, war keine Frage. Über Jade brauchten sie auch nicht zu diskutieren, diese würde auch in seiner Obhut bleiben; auch, wenn ihm bewusst war, dass es im Grunde ab nun nirgends mehr sicher war. Auch in Camelot nicht. Oder erst recht nicht mehr in Camelot? Wieder fröstelte es ihn, wenn er daran dachte, dass es im Grunde schon zu spät sein könnte...
Aber dann überlegte er weiter. Es blieben also noch die Ritter. Arthur wusste, dass er sie nicht alle fort schicken konnte. Doch sie waren insgesamt zu viert, ihn eingeschlossen. Wenn er zwei von ihnen mit Elle los schicken würde? Aber was war, wenn Morgana wirklich schon in Camelot war? Der Gedanke ließ ihn einfach nicht los. Und es kamen Erinnerungen hoch, an den Kampf mit Lucerna, den sie auch beinahe verloren hatten. Wenn Merlin nicht gekommen wäre.. Damals war er gekommen, obwohl er eigentlich verbannt worden war; und er ihn zudem für tot gehalten hatte. Er hatte ihm dennoch die Treue gehalten und sogar seinen eigenen Tod in Kauf genommen. Umso enttäuschter war er nun von seinem jetzigen Verhalten. Wieder musste er seine Gedanken zügeln. Worauf er eigentlich hinaus wollte war, dass es schon damals schwer genug für ihn, als auch für seine Ritter, gewesen war, gegen die Dämonin der Finsternis anzukommen - und sie ohne Merlin zweifelsfrei alle umgekommen wären. Wie viel Chancen gab er nun sich und seinen Rittern gegen Morgana? Die zudem um so viel stärker geworden war, als jemals zuvor? Wenn er ehrlich zu sich selbst war: Keine, zumindest keine sehr guten. Vermutlich war Elles Vorschlag der einzig wirklich gute, vorab schon einmal einige Magier zu sammeln.
Natürlich könnten sie alle, ihn eingeschlossen, zusammen auf Umwegen durch die einzelnen Länder ziehen, und dann geschlossen, mit eben diesen Magiern, zurück nach Camelot reiten; aber Arthur spürte, dass zumindest er die Pflicht hatte, so schnell wie möglich nach Hause zurück zu kehren. Auch, wenn Morgana noch nicht dort sein sollte, die Gefahr würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Er hatte eine Entscheidung getroffen.
Langsam wandte er sich wieder Elle und seinem Gefolge zu und fuhr fort: "Also gut, dein Vorschlag ist durchaus wertvoll. Aber ich werde dich nicht alleine ziehen lassen! Sir Gwain, Ihr reitet mit Elle in Camelots Nachbarländer und werdet sie beschützen. Ich kann nur hoffen, dass Morgana sich nicht in der Nähe befindet; oder sich bereits in Camelot aufhält... Sammelt so viele Magier, wie ihr nur finden könnt - und kommt dann so schnell wie möglich mit geballter Macht wieder nach Camelot zurück. Was die Zauberer IN Camelot angeht: Sobald wir dort sind, werde ich eine Versammlung auf dem Marktplatz abhalten - solange dort noch alles in Ordnung ist - und es dort kundgeben. Jeder Magier wird verpflichtet sein, sich unserem Kampf anzuschließen. Wir brauchen die geballte Macht der Weißen Magie, gegen die geballte Macht Morganas... Ob wir eine Chance haben werden, weiß ich nicht - schon alleine, weil wir die stärkste Macht verloren haben..." Weiter sprach er nicht, doch jeder wusste, wen er meinte.
Elle sah ihn an, und auch Sir Gwain blickte kurz zu ihm, dann nickte er. Auch Elle nickte, dann sah sie kurz zu Jade, die hinter ihr saß: "Sire, was ist mit Jade?" "Sie wird mit mir, Sir Leon und Sir Lancelot reiten. Ehrlich gesagt weiß ich allerdings nicht, ob dieser Weg wirklich der sicherste ist. Im Grunde kann Morgana überall auftauchen, sie könnte bereits in unserer Nähe sein, wer weiß das schon..." Elle unterbrach ihn: "Nein, Sire, noch ist sie nicht in unserer Nähe. Und ich glaube auch nicht, dass sie schon in Camelot ist. Ich weiß es natürlich nicht mit Sicherheit, und ich würde auch keinen Eid darauf schwören, aber ich glaube schon, dass ich spüren würde, wenn sie in unmittelbarer Nähe wäre. Eventuell sogar in mittelbarer. Ich weiß nicht, was sie vorhat, oder was sie gerade aufhält, aber ich hoffe inständig, dass wir noch eine Chance haben werden, unseren Plan in die Tat umzusetzen, Sire". Sie beugte ihr Haupt vor Arthur.
Dieser nickte. Er konnte nur hoffen, dass Elle Recht hatte. Woher sie wissen konnte - oder meinte zu wissen - dass Morgana, noch, nicht in ihrer Nähe war, wusste er nicht. Dennoch ahnte er, dass es eventuell etwas mit ihrer Macht zu tun hatte. Zudem hatte sie sich in Morganas Gewalt befunden. Ob sie da vielleicht etwas empfänglicher für ihre Anwesenheit geworden war?
Nun, es war müßig, darüber nachzudenken. Sie mussten sich jetzt beeilen. Er nickte Sir Gwain zu, und dieser ritt zu Elle herüber. Jade saß immer noch hinter ihr, und hatte sich an sie gepresst. Es gefiel ihr ganz und gar nicht, nun von Elle getrennt zu werden, doch diese drehte sich kurz zu ihr um und sah ihr in die Augen: "Bitte, Jade..." sagte sie nur. Diese nickte ergeben. Sie sah, dass Sir Lancelot von seinem Pferd abgestiegen war, und ihr nun herunter half, um sie dann auf seines zu setzen. Danach stieg er auch wieder auf und sie nickten sich noch einmal zu: "Pass auf dich auf, Elle!", rief Jade ihr noch einmal zu. "Ich werde ebenfalls auf sie aufpassen!" ließ sich Sir Gwain vernehmen. Dann zogen die beiden an den Zügeln und ritten los. Auch Arthur gab seinem Pferd die Sporen, und Sir Lancelot und Sir Leon folgten ihm. Jade, die nun hinter Sir Lancelot saß, blickte Ellen noch einmal hinterher, bis sie sowohl diese, als auch Sir Gwain nicht mehr erkennen konnte. Nun waren sie wieder getrennt...
Arthur ritt immer schneller. Sie waren noch weit von Camelot entfernt, und auch, wenn Elle ihm versichert hatte, dass sie Morganas schwarze Macht nicht spüren würde, so wusste er nicht, ob er dies wirklich glauben konnte. Er und seine verbliebenen Ritter beeilten sich, und verlangten von ihren Pferden alles ab.
Auch Elle und Sir Gwain beeilten sich und galoppierten im schnellsten Schritt, den ihre Pferde hergaben. Besonders Elle merkte, dass ihr Pferd müde wurde, und es tat ihr zwar leid, dass sie ihm so viel abverlangte, aber es musste sein. Sie spürte zwar noch nichts von Morgana, aber das musste ja nicht heißen, dass es so blieb. Sie mussten sich beeilen, die Zauberer und Magier zusammen zu trommeln, und dann mit nach Camelot zu holen. Dennoch kam ihr immer wieder in den Sinn, was dies denn eigentlich bezwecken sollte... Morgana war mächtiger denn je - und sie würde, wenn sie es schaffen sollten, die Magier zusammen zu rufen - sich doch auch deren Macht aneignen. Ihre ganze, gesamte Macht! Vermutlich auch ihre. Elle wusste immer noch nicht, wie sie dies verhindern sollte. Sie wusste es einfach nicht. Dennoch blieb ihnen vermutlich keine andere Wahl - und es beruhigte sie auf der anderen Seite, dass es die Sphinx war, die ihnen dies aufgetragen hatte. Dieses Wesen, das mehr Weisheit besaß, als sie alle zusammen, wusste vermutlich etwas, was sie noch erfahren würden; hoffentlich...
Nach einiger Zeit, in der sowohl Elle, als auch Sir Gwain, ruhig gewesen waren, Elle hing ihren Gedanken nach, und Gwain war auf die Gegend konzentriert, erreichten sie schließlich den ersten Vorort. Sir Gwain ritt vor Elle, und hielt sie an, hinter ihm zu bleiben. Er kannte die Gegend zwar, und es war an sich ein friedlicher Ort, aber man wusste ja nie, wie sich etwas ändern konnte. Oder wer eventuell dort Einzug gehalten haben könnte...
Allerdings ging er davon aus, dass Elle ihn warnen würde, wenn sie etwas "schwarzes" um sie herum spüren würde. Dem war nicht so. Es schien ruhig zu sein, doch Elle konnte keine Gefahr ausmachen. Nein, Morgana war noch nicht hier gewesen. Dennoch kam ihnen niemand entgegen, um sie zu begrüßen, was beide doch sehr merkwürdig fanden...
Schließlich sahen sie doch jemanden auf sich zukommen. Es war ein älterer Mann, mit einem Stock, und auch, wenn er äußerlich einen eher ruhigen, friedlichen, Eindruck machte, so merkte Elle direkt, dass dies nur Fassade war. Der Mann war ein Zauberer. "Sir Gwain, hütet Euch vor dem Stock!" flüsterte Elle, und hielt ihr Pferd an. Gwain verstand. Er versteifte sich, und wollte nach seinem Schwert greifen, doch Elle sah ihn an und schüttelte den Kopf. Es gab - noch - keinen Grund zum Angriff, nur zur Vorsicht. Sir Gwain löste den Griff wieder, doch seine Sinne waren angespannt.
Dann war der alte Mann vor ihnen. Elle spürte seine Macht in sich. Ja, er war ein Zauberer, mächtig, auch, wenn er nicht den Eindruck machte. Auch er blickte sie an: "Hüterin der Elemente", sagte er, wie selbstverständlich, dann sah er zu Sir Gwain herüber: "Einer der Ritter des Königs", es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Anscheinend kannte er sie. Dies fragte nun auch Gwain: "Ihr kennt uns? Nun, ich meine mich zu erkennen, als einer der Ritter des Königs, ist vielleicht nicht so schwer - aber woher kennt Ihr die Hüterin der Elemente?" und er blickte ebenfalls zu Elle.
Der Mann lachte, dann stoppte er und antwortete Gwain: "Ich "kenne" die Hüterin der Elemente nicht, aber ich habe sie in meinen Visionen gesehen... Ich wusste, dass Ihr kommt. Und ich weiß, weshalb Ihr hier seid. Kommt mit, ich habe bereits einige von uns zusammen geführt, allerdings müssen ein paar von uns noch überzeugt werden..." Mehr sagte er nicht, sondern drehte sich um, und lief einfach los. Elle blickte zu Gwain herüber, und dieser nickte zu ihr. Sie beide stiegen von ihren Pferden und hielten diese am Zügel, während sie dem Zauberer folgten. Er hatte anscheinend Visionen? Wie weit und wie viel er "sehen" konnte, wussten sie nicht, aber vielleicht konnte er ihnen helfen, ihre Fragen zu beantworten? In erster Linia vor allem die, wie sie Morgana bekämpfen konnten, ohne ihr Kräfte an sie zu verlieren?
Dann sahen sie vor sich eine Versammlung von Männern und Frauen - und Elle wusste, dass dies alles Zauberer und Magier waren. Der Alte hatte anscheinend bereits Vorarbeit geleistet.
"Hier sind sie, von denen ich euch berichtet habe", sagte der Zauberer, an die anderen gewandt, die sich ihnen nun zuwandten: "Elle, die Hüterin der Elemente, und Sir Gwain, Ritter des Königs von Camelot, Arthur Pendragon. Was sie hier wollen, habe ich euch auch schon berichtet, wie ich es in meiner Vision gesehen habe. Nun müsst ihr entscheiden, ob ihr dem Ruf des Königs folgen wollt, oder nicht", schloss er, und trat einige Schritte zurück.
Sir Gwain sah in der Gesichter der Zauberer, die sich hier versammelt hatten. Nicht alle sahen so aus, als wären sie entschlossen, ihnen zu helfen. "Der König braucht Eure Hilfe! Es geht um Camelot! Und im Grunde auch um Eure Landen. Sie wird auch Euch nicht verschonen, wenn sie ihre geballte Macht versprüht..."
Ein Zentaur trat hervor. Er hatte einen gestählten Oberkörper, und Elle spürte seine Stärke. Doch er schien wütend zu sein. Und er legte gleich polternd los: "Nur weil der König, noch dazu eines anderen Landes, ruft, sollen wir springen? Wer sagt, dass diese Frau wirklich HIER einfällt? Marinus hat lediglich "gesehen", dass Schwärze über Camelot gezogen ist, nicht über uns; nicht wahr, Marinus?" Er blickte zu dem Zauberer hinüber.
Dieser blickte zurück und nickte. Aus seinem Gesicht war keine Regung zu erkennen. Kein Ausdruck verriet, was er fühlte. Elle blickte den Zentauren an, dann antwortete sie, an Sir Gwains Stelle: "Bitte, hört mir zu: Ich kann auch nur sagen, dass Morgana, die Hexe, nicht bei einem Land bleiben wird. Sie wird sich alles einverleiben, was in ihrer Nähe ist, und selbst wenn sie hier noch nicht war, dann wird sie bald auch hierher kommen - auch, wenn Euer Zauberer dies noch nicht gesehen hat. Glaubt es mir, bitte! Sie ist grausam. Und sie wird niemanden verschonen, wenn sie einmal ihre Opfer gefunden hat..." Mit Schaudern dachte sie an ihre Zeit in Morganas Händen zurück.
Der Zentaur und auch die anderen sahen sie an. Dann antwortete dieser, mit seiner tiefen Stimme: "Wenn wir uns in einen Kampf einmischen, sind wir definitiv involviert. Ob wir wollen, oder nicht. Doch wenn wir uns raus halten, muss es nicht geschehen. Nicht, solange Marinus es nicht gesehen hat! Und dies hat er nicht! Zudem hat er gesehen, dass Morgana fremde Kräfte absorbieren kann. Wie sollen wir sie bekämpfen, wenn ihr dies möglich ist? Sie würde unsere Kräfte dazu benutzen, uns zu vernichten! Ich bin dagegen! Meine Sicherheit, und die meiner Mannen ist mit lieber!"
Sir Gwain wollte etwas sagen, doch Marinus kam ihm zuvor. Seine Stimme war gleich bleibend, und sein Klang war ruhig, als er erwiderte: "Und ich dachte, ein Zentaur ist mutig? Deine Worte klingen eher nach Rückzug, mein Freund".... Der Zentaur funkelte ihn an: "Hüte deine Zunge, Seher!" fauchte er, und stapfte auf ihn zu. Elle spürte, wie ihr und auch Sir Gwains Pferd nervös wurden, und auf der Stelle tänzelten. Sie versuchte, ihres zu beruhigen.
Auch Sir Gwain spannte sich an, und stellte sich auf einen Kampf ein, doch die Spannung wurde durch die Stimme einer Frau unterbrochen: "Halt! Was soll das? Wir sind alle hier, um über die Vision unseres Sehers zu entscheiden. Es ist eingetroffen, was Marinus gesehen hat. Die Hüterin der Elemente und ihr Begleiter sind hier, um uns zu holen. Und wir wissen, was wir tun sollen: Die Frage ist, wollen wir dies oder nicht?"
Sie wandte sich an Elle, Sir Gwain beachtete sie kaum. "Mein Name ist Siriana. Ich bin eine Sirene, wie der Name verlauten lässt. Aber nicht irgend eine, sondern die Königin der Sirenen. Meine Kräfte sind, im wahrsten Sinne des Wortes, ohrenbetäubend; wer sie einmal hört, hört sie zum letzten Mal in seinem Leben..." Mehr sagte sie nicht, dennoch fröstelte es vor allem Sir Gwain.
Siriana fuhr fort "Wir alle wissen, weshalb Ihr hier seid und um die Schwierigkeit, die ein Kampf mit dieser schwarzen Hexe mit sich bringt. Deswegen frage ich Euch - was nützt es uns allen, Euch eingeschlossen, wenn wir gegen sie kämpfen? Gibt es eine Chance, gegen sie zu gewinnen, wenn sie, wie wir wissen, unsere Kräfte absorbieren kann? Wer weiß denn, ob es hinterher nicht noch leichter für sie sein kann, uns zu vernichten? Wenn sie uns mit unseren eigenen Kräften schlägt?" Auch sie schaute Elle durchdringend an.
Elle schauderte es erneut. Sie wusste es doch auch nicht. Genau dies war ja die Frage. Doch sie erinnerte sich auch wieder an die Sphinx, die ihnen zwar eben diese nicht beantworten konnte - oder wollte - aber dennoch beinahe den Auftrag dazu gegeben hatte. Und die gesagt hatte, dass sie nur zusammen überhaupt eine Chance hatten! Genau dies wollte sie gerade antworten, als sich ein eher unscheinbarer Mann, der bis dahin im Hintergrund geblieben war, zu Wort meldete: "Eine Sphinx hat es Euch gesagt, Hüterin der Elemente?" fragte er, direkt an Elle gewandt. Diese sah überrascht zu ihm hin: "Ja, das hat sie; woher..." "Ich bin ein Telepath. Verzeiht, dass ich ungefragt in Eure Gedanken eingedrungen bin, aber es war nötig, um Eure wahren Absichten heraus zu finden." Dann wandte er sich an die anderen: "In Anbetracht der Tatsache, dass es eine Sphinx ihnen sogar den Befehl dazu erteilt hat, werde ich den Antrag stellen, ihnen zu folgen. Wie es der Seher angeraten hat!" Er verbeugte sich vor Siriana und dem Zentauren.
Diesem war der Unmut anzumerken, doch er sagte nichts mehr. Siriana blickte zu dem kleinen Mann herüber, der, trotz seiner Körpergröße, dennoch sehr viel Einfluss zu haben schien. "Also gut. Wir wissen nun, dass eine sehr große Macht den Segen gegeben hat. Dies verändert die Sache. Auch, wenn wir noch nicht wissen, was genau zu tun ist, wird es einen Grund haben, weshalb wir es tun müssen! Und wir müssen es tun, dies steht nun außer Frage. Wie genau, werden wir heraus finden, wenn es so weit ist." Sie wandte sich an den Zentauren: "Margart, deine Worte waren sicherlich nicht ernst gemeint. Ich weiß, dass keiner von deinem Stand ein Feigling ist! Du wirst jetzt deine Mannen zusammen rufen. Wir werden alle zusammen nach Camelot ziehen! Und auf dem Weg dorthin wird jeder von euch seine Mächte ausstrecken und diejenigen rufen, welche ihm folgen. Zudem werden wir auch noch genug finden, die sich uns anschließen werden, davon bin ich überzeugt. Auf geht´s!" Ihre Worte waren schneidend, und man merkte, dass sie keine Widerrede duldete.
Überrascht, ob der Wendung des ganzen, stiegen schließlich auch Sir Gwain und Elle wieder auf ihre Pferde, und langsam setzte sich der Trupp wieder in Bewegung. Und es dauerte nicht allzu lange, bis sich tatsächlich noch mehr ihrem Treiben anschlossen. Alles magische Wesen, von denen zwar niemand wusste, wie sie nun tatsächlich gegen Morgana kämpfen sollten, aber DASS sie dies tun mussten, war ihnen nun allen klar. Und es wurden immer mehr, während sie gemeinsam gen Camelot zogen...

